Die Drohne hat in den letzten fünf Jahren das Dachgutachten verändert. Was früher ein Hubsteiger-Tag oder ein Gerüst war, ist heute ein 30-minütiger Flug mit hochauflösenden Bildern. Dieser Beitrag beschreibt den Ablauf, die rechtlichen Pflichten unter dem EU-Drohnenrecht und die Kostenstruktur für Eigentümer und Auftraggeber.
Wo Drohnenbefliegung dem Gerüst überlegen ist
- Geschwindigkeit: ein vollständiger Dach-Scan eines Einfamilienhauses dauert 20–40 Minuten Flugzeit.
- Sicherheit: keine Absturzgefahr für Personen, kein Eingriff in die Gebäudestatik durch Gerüst-Verankerungen.
- Auflösung: moderne Sensoren (z. B. DJI Mavic 3 Enterprise) liefern 20-Megapixel-Bilder mit ca. 0,1 mm/Pixel bei 5 m Abstand – ausreichend für Dachziegel-Riss-Erkennung.
- Kosten: ein Drittel bis ein Zehntel eines Gerüsts oder Hubsteigers für reine Inspektion.
- Wiederholbarkeit: Aufnahmen aus exakt gleichen Positionen ermöglichen Zustandsvergleich über Jahre.
Wo die Drohne nicht ersetzt: Materialprüfung am Bauteil (Bohrkern, Festigkeit), Umfangreiche Reparaturzugänge, Wartungseingriffe.
Was die Drohne typischerweise zeigt
In meiner Praxis (mit DJI Mavic 3 Enterprise und Pix4D-Modellierung) liefern Inspektionsflüge zuverlässig Befunde zu:
- Dachziegel-Brüche und Verschiebungen nach Stürmen oder Setzungen.
- Moos- und Algenbefall als Indikator für ablaufgestörte Dachflächen.
- First- und Gratziegelvermörtelung – häufige Schadstelle.
- Dachrinnen und Fallrohre – Verstopfungen, lose Halter, Korrosion.
- Schornsteinkopf – Verfugung, Abdeckung, Versottungs-Spuren.
- Photovoltaik-Anlagen – Modul-Hotspots (mit Thermografie-Drohne), Verschattungen, Verschmutzung.
- Flachdach-Abdichtungen – Blasen, Faltenbildung, Notüberläufe.
- Anschlüsse Schornstein/Wand – Bleieinfassungen, Anschlussbleche.
Rechtsrahmen: EU-Drohnen-Verordnung (EU) 2019/947
Seit 31.12.2020 gilt in der EU einheitlich die Verordnung (EU) 2019/947 mit drei Risikoklassen (Open, Specific, Certified). Für Gebäudeinspektion mit handelsüblichen Drohnen unter 25 kg ist fast immer die Open Category einschlägig, mit drei Unterkategorien:
| Unterkategorie | Drohnenklasse | Mindestabstand zu Personen | Anwendung Gebäudeinspektion |
|---|---|---|---|
| A1 | < 250 g (C0/C1) | Überfliegen unbeteiligter Personen erlaubt (mit Einschränkungen) | Sehr kleine Drohnen, eingeschränkte Sensorik |
| A2 | < 4 kg (C2) | mind. 30 m, mit Low-Speed-Mode 5 m | Standard für professionelle Inspektion |
| A3 | < 25 kg (C3/C4) | 150 m zu Wohn-/Industriegebieten | Großgrundstücke, ländlich |
Für die meisten Gebäudeinspektionen in Düsseldorf, Köln, im Ruhrgebiet ist A2 die einschlägige Kategorie. Voraussetzungen:
- EU-Kompetenznachweis A1/A3 (Online-Prüfung beim Luftfahrt-Bundesamt, kostenfrei).
- EU-Fernpilotenzeugnis A2 (Online-Theorie + bestätigtes Praxis-Selbsttraining + Prüfung).
- e-ID-Registrierung des Drohnenbetreibers beim LBA.
- Drohnen-Haftpflichtversicherung (gesetzlich vorgeschrieben § 43 LuftVG).
- Kennzeichnung: e-ID auf der Drohne sichtbar.
Mein Drohnen-Zeugnis A1/A3 liegt vor; A2-Befliegung erfolgt im Rahmen der Privatkunden- und TDD-Mandate über spezialisierte Partner mit C2-zertifizierten Drohnen.
Wo geflogen werden darf – Geozonen NRW
Die DFS Deutsche Flugsicherung pflegt die deutsche Geozonen-Karte (verfügbar in der App „DFS DroniQ“). In NRW relevant:
- Flughafen-Kontrollzonen (Düsseldorf, Köln/Bonn, Münster/Osnabrück): Befliegung nur mit Genehmigung.
- Naturschutzgebiete: Befliegung in der Brut- und Setzzeit oft untersagt.
- Wohngebiete: Überflug Dritter nur mit Zustimmung; Vor-Ort-Information der Anrainer empfehlenswert.
- Bundesländer-Sondervorschriften: in NRW grundsätzlich keine zusätzlichen Verbote.
Vor jedem Flug ist ein Vorflug-Check Pflicht: Wetter, Wind (< 10 m/s sicher fliegbar mit C2-Drohne), Geozonen, Notlandeflächen, Akkustand.
Ablauf einer Drohneninspektion
In meiner Praxis folgt eine Inspektion diesem Schema:
- Auftragsklärung (15 min): Was ist die Frage? Dach komplett, oder Schornstein, oder PV-Anlage?
- Vorflug-Check (vor Anreise): Geozone, Wetter, ggf. Genehmigung Kontrollzone.
- Vor-Ort-Briefing mit Bauherr (10 min): Datenschutz-Hinweis Nachbarn, Notfallszenarien.
- Befliegung (20–60 min): standardisierte Mission, ergänzt um manuelle Detail-Aufnahmen an Verdachtsstellen.
- Ggf. Thermografie-Flug (zusätzlich 30 min, mit dualer Sensor-Drohne).
- Datensicherung (vor Ort): SD-Karte gesichert, Vorab-Sichtung der Bildqualität.
- Auswertung (1–3 Tage Büro): Befundliste, ausgewählte Bilder mit Annotation, ggf. 3D-Modell aus Photogrammetrie.
- Übergabe-Bericht (PDF, 10–25 Seiten) plus Bildarchiv.
Kosten 2026 in NRW
| Leistung | Bandbreite |
|---|---|
| Reine Sicht-Inspektion EFH (Bilder + Befundliste) | 250 – 450 EUR brutto |
| Sicht-Inspektion + Thermografie EFH | 450 – 750 EUR brutto |
| 3D-Modell aus Photogrammetrie (Punktwolke + Mesh) | zusätzlich 200 – 500 EUR |
| Inspektion MFH bis 6 WE | 450 – 900 EUR brutto |
| PV-Anlage-Inspektion mit Thermografie | 400 – 800 EUR brutto |
| Genehmigungspflichtige Befliegung Flughafenzone (Düsseldorf) | + 150 – 300 EUR Verwaltungsaufwand |
Bei meinen Kaufbegleitungen ist ein Drohnen-Check des Daches in den Premium-Pakten enthalten und wird nicht separat berechnet.
Datenschutz und Nachbarschaft
Auch bei rein privater Inspektion gilt: Foto- und Videoaufnahmen, die Nachbargrundstücke oder Personen erfassen, sind DSGVO-relevant. In der Praxis:
- Vor Befliegung Nachbarn informieren (oft per Aushang oder kurzer Mail).
- Nicht erforderliche Aufnahmen sofort löschen.
- Speicherung verschlüsselt, Zugriff nur durch den Pilot/Auftraggeber.
- Bei kommerzieller Verarbeitung ggf. Verzeichnis Verarbeitungstätigkeiten ergänzen.
Versicherung
Pflicht ist eine Drohnen-Haftpflichtversicherung (gewerblich): typische Jahresprämie 250–600 EUR für eine 4-kg-Drohne. Mein Versicherungs-Setup ist Teil des Berufshaftpflicht-Bündels (siehe TASKS.md, Abschluss vor 01.07.2026).
Fazit
Die Drohneninspektion ist 2026 die Standard-Methode für Dach-, Fassaden- und PV-Anlagen-Sichtprüfung. Im Open-Category-Rahmen mit A2-Kompetenznachweis ist sie rechtssicher umsetzbar – Voraussetzung ist ein sauberer Vorflug-Check und ein bewusstes Datenschutz-Vorgehen. Wirtschaftlich liegt sie für reine Inspektion bei einem Bruchteil dessen, was ein Gerüst oder Hubsteiger kostet. Am Ende ist der Drohnenflug ein Werkzeug der Bestandsaufnahme – und genau diese Bestandsaufnahme samt Grundlagenermittlung ist essenziell, um Kosten und Risiken am Dach vernünftig abschätzen zu können.
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